Steam-Geld ist kein Geld: warum Guthabenpreis und Kartenpreis zwei verschiedene Zahlen sind
In der Tabelle steht Steam neben den Marktplätzen, aber das sind Preise in verschiedenen Währungen: Steam-Guthaben lässt sich nicht auszahlen, und die 15 % werden auf den Betrag des Verkäufers erhoben. Wir rechnen einen Skin durch und zeigen, was aus einem Angebot von 10,00 $ im Guthaben und auf der Karte wird — und wann das Guthaben trotzdem gewinnt.
Eine Tabelle, zwei verschiedene Währungen
Wenn du eine Preisvergleichszeile ansiehst, steht Steam dort neben ganz normalen Marktplätzen, und das verwirrt mehr als alles andere im Skin-Handel. Die Zahlen sehen einheitlich aus: hier 10,00 $, dort 9,40 $, drüben 11,20 $. In Wirklichkeit ist eine davon in einer anderen Währung angeschrieben — in Steam-Guthaben, das sich weder auf eine Karte noch auf eine E-Wallet noch sonst wohin auszahlen lässt.
Das ist keine kleine Fußnote. Es bedeutet, dass du den Steam-Preis nicht direkt mit einem Marktplatzpreis vergleichen kannst, so wie man Bargeld nicht mit Flugmeilen vergleicht. Meilen haben auch einen Wert, man bekommt Dinge dafür — aber niemand rechnet sein Gehalt in Meilen.
Was folgt, ist Arithmetik an einem einzigen Skin, denn allgemeine Worte helfen bei diesem Thema nicht und Zahlen beenden die Diskussion.
Wohin die 15 % gehen
Nimm einen Skin, der auf Steam für 10,00 $ angeboten wird. Das ist die Zahl, die der Käufer sieht, und die Zahl, die in unserer Tabelle landet.
Der Käufer zahlt 10,00 $ — genau so viel verlässt seine Geldbörse. Der Verkäufer erhält 8,70 $. Die Differenz ist die Steam-Gebühr, und hier steckt die erste Falle: Sie wird auf den Betrag des Verkäufers erhoben und nicht vom Preis des Käufers abgezogen. Für CS2 liegt der kombinierte Satz bei 15 % (Steam-Anteil plus Spielanteil), der Verkäufer bekommt also den Preis geteilt durch 1,15 und nicht mal 0,85. In unserem Beispiel liegen zwischen beiden Rechenwegen rund zwanzig Cent — und über viele Trades summiert sich das sichtbar.
Aber das ist nicht der Hauptpunkt. Der Hauptpunkt ist, dass die 8,70 $ nicht als Geld ankamen, sondern als Guthaben.
Warum das Guthaben billiger ist als Geld
Steam-Guthaben lässt sich nach den Regeln der Plattform nicht auszahlen. Du kannst es für Spiele ausgeben, für Ingame-Gegenstände, für andere Skins — aber du kannst es nicht in Geld auf einer Karte verwandeln. Die Frage "wie hebe ich Geld von Steam ab" hat eine kurze Antwort: direkt gar nicht, nur indem du Gegenstände außerhalb von Steam verkaufst. Daraus folgt eine einfache und unangenehme Regel: Das Guthaben ist genau so viel wert, wie du innerhalb von Steam ausgeben wirst.
Für jemanden, der ohnehin jeden Monat Spiele kauft und sein Guthaben auflädt, ist es fast gleich Geld — diese Summe wäre so oder so ausgegeben worden. Für jemanden, der ein Inventar verkauft, um Geld zu bekommen, ist das Guthaben fast nichts wert: Der Betrag ist in einem System eingesperrt, das keinen Ausgang hat.
Die tatsächliche Antwort liegt zwischen diesen beiden Extremen. Und genau deshalb braucht die Steam-Zeile in der Tabelle ihre eigene Lesart statt eines direkten Vergleichs mit den Nachbarn.
Sieh dir nun die Alternative an. Derselbe Skin auf einem Drittmarktplatz, ebenfalls für 10,00 $ angeboten, bringt bei 10 % Marktplatzgebühr 9,00 $ — und zwar echtes Geld auf dem Weg zur Auszahlung. Der Unterschied zu Steam sind nicht dreißig Cent, er ist qualitativ: Die eine Zahl lässt sich auszahlen, die andere nicht.
Die zweite Falle: ein Angebot ist kein Verkauf
Hier beginnt der Teil, über den fast niemand schreibt und den wir in unseren eigenen Daten sehen. Ein Angebotspreis ist ein Angebot, kein Handel. Jemand hat einen Skin für 10,00 $ eingestellt und wartet. Bis ein Käufer kommt, existiert diese Summe nicht.
Nach unserer Messung der Auslage stehen 91 % der Positionen in genau diesem Zustand: eingestellt und wartend. Ein Sofortverkauf, also die Bereitschaft, den Gegenstand sofort abzugeben, liegt im Median bei 81 % des Angebotspreises. Bei unserem Skin sind das 8,10 $ vor der Marktplatzgebühr.
Legt man beide Beobachtungen zusammen, wird das Bild ehrlich. Der Verkäufer wählt nicht zwischen "10,00 $ auf Steam" und "10,00 $ auf einem Marktplatz", sondern zwischen drei verschiedenen Ergebnissen: 8,70 $ heute im Guthaben, ungefähr 9,00 $ in Geld nach unbestimmter Wartezeit, oder etwa 8,10 $ minus Gebühr sofort in Geld. Das sind drei verschiedene Entscheidungen, und keine davon ist die richtige — es gibt nur die, die zu deinem Ziel passt.
Wann Steam trotzdem gewinnt
Es wäre unredlich, mit "Steam ist schlechter" zu enden. Es gibt drei Situationen, in denen das Guthaben gewinnt, und die sollte man kennen.
Erstens: Du kaufst ohnehin innerhalb von Steam. Wenn du regelmäßig Spiele oder Gegenstände holst, ist das Guthaben für dich praktisch Geld, und Steam bietet meist den größten Käuferpool — der Gegenstand verkauft sich schneller.
Zweitens: billige Gegenstände. Der Mindestverkaufspreis auf Steam liegt bei 0,03 $, und bei Cent-Positionen funktionieren Drittmarktplätze oft schlicht nicht: Ihre Gebühren und Mindestauszahlungsgrenzen fressen den ganzen Handel.
Drittens: Tempo und Sicherheit. Innerhalb von Steam läuft das Geschäft ohne Vermittler, ohne Auszahlung, ohne Warten auf die Überweisung und ohne das Risiko, an einen unehrlichen Marktplatz zu geraten. Auch das wird bezahlt — und die fünfzehn Prozent sind diese Bezahlung.
Wie man die Tabelle mit all dem im Kopf liest
Das praktische Fazit ist kurz. Lies die Steam-Zeile im Preisvergleich als Preis in einer anderen Währung und lege im Kopf deinen eigenen Wechselkurs an: Gibst du innerhalb von Steam aus, liegt der Kurs nahe bei eins; brauchst du Geld auf der Karte, liegt er deutlich darunter.
Berechne den Verkäuferpreis auf Steam, indem du durch 1,15 teilst, und nicht, indem du fünfzehn Prozent abziehst — sonst rechnest du dein Ergebnis zu hoch.
Und vor allem: Vergleiche Gleiches mit Gleichem. Ein Angebotspreis auf einem Marktplatz gegen einen Angebotspreis auf einem anderen ist ein gültiger Vergleich. Ein Angebotspreis gegen einen Sofortverkauf ist es nicht — dazwischen liegen genau jene 81 %. Ein Guthabenpreis gegen einen Kartenpreis noch weniger.
Die Tabelle zeigt die besten Preise über Dutzende Marktplätze hinweg genau deshalb, damit dieser Vergleich einheitlich ist. Aber den letzten Schritt — die Umrechnung in deine persönliche Währung — kann die Tabelle dir nicht abnehmen, denn den Kurs hat jeder für sich.
Kurze Checkliste vor dem Verkauf
Stell dir vier Fragen, und die Entscheidung wird offensichtlich.
Brauchst du Geld auf der Karte, oder reicht Guthaben? Wenn es reicht, ist Steam fast immer eine vernünftige Wahl, und Arbitrage braucht es gar nicht.
Bist du bereit zu warten? Wenn ja, stell es ein; wenn nein, rechne mit dem Sofortpreis und nicht mit dem, der in der Liste steht.
Was ist der Gegenstand wert? Unterhalb weniger Dollar verlieren Drittmarktplätze wegen der Mindestauszahlungen oft ihren Sinn.
Und schließlich: Hast du mit 8,70 $ gerechnet statt mit 10,00 $? Wenn nicht, vergleichst du das Falsche mit dem Falschen, und jeder "Gewinn" in dieser Rechnung entpuppt sich als Trugbild. Wie man ehrlich rechnet, steht im Artikel über Skin-Arbitrage.